Agentic Commerce: Warum dein Feed die neue Landing Page ist

Management Summary

Im Agentic Commerce vergleicht ein KI-Agent Produkte anhand von Daten und löst den Kauf selbst aus. Landing Page, Hero-Bild und Markenstory verlieren damit an Gewicht, entscheidend werden Feed, Attribute und Checkout-Technik. Die e-dialog Traffic-Studie zeigt, wie schnell sich das Suchverhalten verschiebt: Im Q2 2026 sank der organische Traffic im DACH-Raum um 20,3 %. Readiness entsteht in vier Dimensionen: Data, Infrastructure, Measurement und Organisation. Checkout via UCP startet in den USA, die neuen Conversational Attributes im Merchant Center sind aber schon heute weltweit verfügbar. Wer jetzt Feed und Zuständigkeiten klärt, ist beim DACH-Launch bereit.

Stell dir vor, deine Kundin sagt zu ihrem KI-Assistenten: „Such mir eine wasserdichte Laufjacke in Größe 38, unter 150 Euro, lieferbar bis Freitag.“ Der Agent vergleicht ein Dutzend Shops in Sekunden, wählt ein Produkt und kauft es. Deine Website hat er dabei nie geöffnet.

Genau das meint Agentic Commerce. In diesem Artikel erfährst du, wie weit diese Entwicklung im DACH-Raum schon ist, welche vier Dimensionen über deine Agentic Commerce Readiness entscheiden und mit welchen drei Schritten du nächste Woche startest.

Was ist Agentic Commerce und warum betrifft es dich schon heute?

“Agentic Commerce bezeichnet den automatisierten Einkaufsprozess, bei dem autonome KI-Agenten im Auftrag von Nutzer*innen Produkte anhand von Live-Daten vergleichen, auswählen und die Transaktion direkt abschließen.“

Agentic Commerce bedeutet: Ein KI-Agent übernimmt Teile des Einkaufs für die Nutzer*innen. Er versteht die Anfrage, vergleicht Produkte, empfiehlt eine Auswahl und schließt im besten Fall auch den Kauf ab.
Die technische Basis dafür gibt es bereits. Im Jänner 2026 hat Google gemeinsam mit Shopify das Universal Commerce Protocol (UCP) vorgestellt. Dieser offene Standard regelt, wie Agenten mit Händlern kommunizieren: von der Produktsuche über den Warenkorb bis zum Checkout. Erste Anwendungen laufen im Google AI Mode und in Gemini.

Parallel dazu hat Google im Mai 2026 neue Conversational Attributes im Merchant Center eingeführt. Das sind zusätzliche Feed-Felder, damit Agenten ein Produkt so gut verstehen wie gutes Verkaufspersonal.

Du fragst dich, warum das jetzt wichtig ist? Weil sich das Suchverhalten bereits messbar verschiebt.

Was zeigen die Zahlen zum Traffic-Wandel im DACH-Raum?

Der organische Traffic im DACH-Raum ist im zweiten Quartal 2026 um 20,3 % gegenüber dem Vorjahr gesunken. Das zeigt das Update der e-dialog Traffic-Studie mit 74 Websites und 1,2 Milliarden Sessions.

Zum Vergleich: Gartner hat im Februar 2024 prognostiziert, dass das Suchmaschinen-Volumen bis Ende 2026 um 25 % sinkt. Bis 2028 rechnet Gartner sogar mit einem Minus von 50 % beim organischen Traffic. Im April 2026 sah es noch entspannt aus. Unsere erste Traffic-Studie mit Daten bis Ende 2025 zeigte nur −4,2 % Organic Traffic. Seit Mitte 2025 beschleunigt sich der Rückgang aber deutlich:

Veränderung von Organic Search und Gesamttraffic DACH Q2 2026 – e-dialog Traffic-Studie

Abbildung 1: Veränderung von Organic Search und Gesamttraffic gegenüber dem Vorjahresquartal (Quelle: e-dialog Traffic-Studie, Update H1 2026)

Gleichzeitig wachsen AI-Referrals als einziger Kanal stark. Im ersten Halbjahr 2026 hat sich dieser Traffic verdreifacht. Sein Anteil am Gesamttraffic liegt aber unter 1 %. Was die organische Suche verliert, holt der KI-Traffic also nicht zurück.

Der Handel war in der ersten Studie am stärksten betroffen: −12 % Organic Traffic bei +18 % Paid Search. Gerade die Produktsuche verlagert sich in KI-Chats. Und genau dort setzt Agentic Commerce an.

Wie verändert Agentic Commerce die Customer Journey?

Im Agentic Commerce steuert der Feed die Kaufentscheidung, nicht mehr die Landing Page. Der Unterschied wird klar, wenn du beide Journeys nebeneinander legst (Abbildung 2):

Klassisches Commerce: Suche → Suchergebnisseite → Landing Page → Entscheidung → Checkout

Agentic Commerce: Intent → Agent vergleicht via Daten → Entscheidung → Checkout

Customer Journey im klassischen Commerce und im Agentic Commerce – e-dialog Customer Journey im klassischen Commerce und im Agentic Commerce – e-dialog

Abbildung 2: Customer Journey im klassischen Commerce und im Agentic Commerce (Quelle: e-dialog)

In der agentischen Journey fehlen zwei Schritte, die bisher viel Marketing-Budget gebunden haben: die Suchergebnisseite und die Landing Page. Der Agent sieht kein Hero-Bild und liest keine Markenstory. Er sieht nur deinen Feed, deine Attribute und deine Signale wie Preis, Verfügbarkeit und Lieferzeit.

Daraus folgt ein Grundsatz: Der Feed ist die neue Landing Page. Ist er nicht optimiert, werden deine Produkte unsichtbar, unabhängig von deiner Markenstärke.

Die gute Nachricht: Feed-Arbeit ist kein Zukunftsprojekt. Sie zahlt sich schon heute in Google Shopping und Performance Max aus.

Welche vier Dimensionen bestimmen deine Agentic Commerce Readiness?

Agentic Commerce Readiness ist kein reines Technikthema. Sie entsteht in vier Dimensionen, die operative und strategische, technische und organisatorische Fragen abdecken (Abbildung 3).

Die vier Dimensionen der Agentic Commerce Readiness – e-dialog Die vier Dimensionen der Agentic Commerce Readiness – e-dialog

Abbildung 3: Die vier Dimensionen der Agentic Commerce Readiness (Quelle: e-dialog)

Data Readiness: Sind deine Produktdaten für Maschinen geschrieben?

Bisher wurden Feeds vor allem für Shopping-Anzeigen optimiert: Titel, Preis, Bild, GTIN. Ein Agent braucht mehr Kontext. Er muss Fragen beantworten wie „Passt das zu meinem Gerät?“ oder „Gibt es das auch in Navy?“.

Dafür hat Google im Mai 2026 Conversational Attributes im Merchant Center eingeführt, beispielsweise:

Conversational AttributeFunktion für den KI-AgentenPraxis-Beispiel für den Feed
question_and_answerBeantwortet Produkt-FAQs direkt am Artikel für konkrete Rückfragen.Frage: „Ist die Jacke waschmaschinentauglich?“
Antwort: „Ja, bei 30 Grad im Schonwaschgang.“
related_productDefiniert semantische Beziehungen wie Zubehör, Ersatzteile oder Alternativen.Hinterlegung der ID für ein passendes Imprägnierspray oder die dazugehörige Laufhose.
document_linkVerweist auf weiterführende PDFs wie Bedienungsanleitungen oder Datenblätter.URL zum Hersteller-Zertifikat über die garantierte 10.000 mm Wassersäule.
item_group_titleBenennt den übergreifenden Namen der gesamten Produktfamilie.„ProRunner Wetterschutz-Serie“
variant_optionBestimmt die Achsen, durch die sich einzelne Produktvarianten unterscheiden.„Farbe: Navy“, „Größe: 38“
popularity_rankÜbermittelt die shop-interne Bestseller-Rangfolge an das System.„1“ (für den meistverkauften Artikel in der Jacken-Kategorie)

Die Felder sind optional und laut Dataïads bereits in allen Ländern verfügbar.

Infrastructure Readiness: Kann dein Checkout, was der Agent verlangt?

Wenn ein Agent den Kauf auslöst, muss deine Technik die Transaktion ohne menschlichen Klick annehmen. Dein Stack braucht dafür vier Fähigkeiten:

  • UCP-Fähigkeit: Anbindung an das Universal Commerce Protocol
  • Payment-Stack: Zahlungen, die ein Agent auslöst
  • Checkout-Flexibilität: Checkout per API statt starrem Landing-Page-Flow
  • Datendurchgängigkeit: Feed, Verfügbarkeit und Preis in Echtzeit

Viele Setups könnten das technisch bereits. Konfiguriert hat es aber kaum jemand.

Measurement Readiness: Wie misst du Sichtbarkeit, die du nicht siehst?

Ein Agent empfiehlt dein Produkt und die Kundin kauft direkt. Wo taucht das in deinem Reporting auf? Für viele Unternehmen ist das ein blinder Fleck. Eine moderne Sicht auf Sichtbarkeit umfasst vier Ebenen:

  • Paid-Search-Sichtbarkeit: der Kanal, den du bereits trackst
  • Organic-Search-Sichtbarkeit: SEO und Rankings
  • AI-Search-Sichtbarkeit: AI Overviews, AI Mode und Gemini
  • Social & Alternative Search: TikTok, Reddit und Perplexity

Ohne konsolidierte Sicht fliegst du im Agentic Commerce blind. Wie du deine Präsenz in KI-Antworten erhöhst, liest du in unserem Artikel zu GEO und KI-Übersichten.

Organisational Readiness: Wer entscheidet, was der Agent darf?

Stell die Frage intern: Wer ist bei uns für AI Search Visibility verantwortlich? Wenn niemand antwortet, ist das die Antwort. Vier Rollen solltest du klären:

  • AI-Search-Ownership: Wer verantwortet KI-Sichtbarkeit als Ziel?
  • Agent-Mandat: Wer entscheidet, ob ein Agent in deinem Namen verkaufen darf?
  • Feed-Hoheit: Wer bestimmt, was im Feed steht?
  • Budget und Priorität: Wer finanziert die Vorbereitung vor dem Launch?

Rechne hier mit Vorlauf. Organisatorische Readiness braucht in der Regel sechs bis zwölf Monate.

Wann kommt Agentic Commerce in den DACH-Raum?

Der agentische Checkout startet in den USA, Europa folgt. Laut Pimberly hat Google UCP bisher auf Kanada, Australien und Großbritannien ausgeweitet. Der Stand für den DACH-Raum:

  • AI Mode ist noch nicht in allen Märkten vollständig ausgerollt.
  • UCP-Checkout und Direct Offers befinden sich in der US-Pilotphase.
  • Conversational Attributes kannst du dagegen schon heute in allen Ländern befüllen.

Unsere Einschätzung: Erste Launches im DACH-Raum sind in drei bis sechs Monaten realistisch, eine breite Verfügbarkeit bis 2027. Warten lohnt sich trotzdem nicht, und zwar aus vier Gründen:

  • Feed-Qualität zahlt sich schon heute aus, und zwar in klassischen Shopping-Kampagnen.
  • Was heute für Shopping wirkt, treibt später auch den AI Mode an. Die Datenbasis ist dieselbe.
  • Organisatorische Readiness braucht sechs bis zwölf Monate. Wer erst beim Launch startet, ist zu spät.
  • Early Mover prägen die Sichtbarkeit in ihrer Kategorie, bevor der Wettbewerb reagiert.

Wer jetzt vorbereitet ist, ist beim Launch bereit. Wer wartet, muss monatelange Arbeit auf einmal nachholen.

Welche drei Schritte kannst du jetzt für Agentic Commerce setzen?

Du musst nicht auf den Launch warten. Mit drei Schritten legst du schon nächste Woche los:

  1. 01

    Feed-Audit durchführen

    Vergleiche deinen aktuellen Feed mit den neuen Conversational Attributes. Was fehlt? Wer in deiner Organisation kann die Lücken schließen? Starte mit deinen Top-Produkten nach Umsatz oder Marge.

  2. 02

    Merchant Center prüfen

    Welche Pilots und Features sind im DACH-Raum bereits aktivierbar? Sprich mit deinem Google-Ansprechpartner oder deiner Agentur.

  3. 03

    Ein 30-Minuten-Meeting ansetzen

    Auf der Agenda steht eine einzige Frage: Wer ist bei uns für AI Search Visibility verantwortlich? Meistens lautet die Antwort: niemand. Genau das ist die Lücke.

Ein Hinweis zum Schluss: Deine Agentur sollte diese Gespräche mit dir führen können. Wenn nicht, ist auch das ein Readiness-Signal.

Fazit: Bereite deinen Shop heute auf Agentic Commerce vor

Agentic Commerce ist im DACH-Raum noch nicht live, aber die Weichen sind gestellt. Der organische Traffic sinkt schneller als erwartet, und die Produktsuche wandert in KI-Chats. Wer dort gefunden werden will, braucht saubere Daten, eine flexible Checkout-Technik, ein neues Verständnis von Sichtbarkeit und klare Zuständigkeiten.

Das Wichtigste auf einen Blick:

  • Im Agentic Commerce vergleicht ein KI-Agent Produkte anhand von Daten und kauft selbst. Der Feed wird zur neuen Landing Page.
  • Der organische Traffic im DACH-Raum ist im Q2 2026 um 20,3 % gesunken, Tendenz beschleunigend.
  • Readiness entsteht in vier Dimensionen: Data, Infrastructure, Measurement und Organisation.
  • Der UCP-Checkout startet in den USA. Die Conversational Attributes kannst du schon heute weltweit befüllen.
  • Organisatorische Readiness braucht sechs bis zwölf Monate. Starte deshalb jetzt.

Aus unserer Sicht ist der Feed der wichtigste Hebel. Er ist nicht mehr nur Grundlage für Shopping-Anzeigen, sondern dein wichtigstes Verkaufsargument gegenüber KI-Agenten.

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